"Aus meiner Phantasie*
(mein erster Reim)."

Abseits

(Eisenärzt, Obb., 2. August 1967)

Hoch am Berg,
wo kein Halm noch Strauch.

Abseits –
ja dort, dort setz' ich mein Fuß.
Will die Stille hören,
Einsamkeit und Ruh'.

Abseits –
ja dort, wo kein Weg,
kein Steg,
kein Pfad der Kuh.
Der Gamsbock wild,
der Felsen steil.

Abseits –
dort wo der Adler sein Nest umkreist,
will ihm keine Federn stehlen,
wo kein Kreuz sein Schatten wirft, ja dort.

Abseits –
hör' mein eig'nes Herz nur pochen,
meines Fußes Schritt.
Das Grün auf grauem Fels
wich längst von von mir.
Droben – auf nebligem Gipfel.

Abseits –
die Beine ruhn,
das Auge nimmt seinen Weg,
wandert mühelos.

Aus der Ferne grüßt die Ferne.


stephan castellio wrobel - jswrobel

 

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* Meinen ersten Reim überschrieb ich ehrlich mit "Aus meiner Phantasie", gleichwohl ich zu diesem Zeitpunkt mit meinen Eltern am Alpenrand war, in dem Feriendorf der damals eigenständigen oberbayerischen Dorfgemeinde Eisenärzt und die Alpen sehen konnte. Die höchste Erhebung dort ist der Zinnberg (1227 m), ein grüner Wanderberg, der seinen Namen dem Zinnkraut verdankt. Erst drei Jahre später, im Sommer 1970, sollte ich dann am Wilden Kaiser in Tirol das vor Augen haben, was ich in dem Reim als einsamer Wanderer nachempfinde, der die Vegetationsgrenze überschreitet.

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