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Notizblog | Freilassing | Vorwort, Einführung, Übersicht


Freilassing – Lehm und Eisen(bahn)
und vieles mehr ...

Stand 19.01.2021 (in Fortsetzungen, aktualisieren von Webseiten mit )




Vorwort. Bei der ☞ Stadterhebung Freilassings 1954 (vordem Gemeinde, die bis 1923 den Namen ihres jetzigen Ortsteils Salzburghofen trug) wurde im Rahmen der Festreden die Bedeutung von "Römer, Bauer, Eisenbahner und Bürger" als "vier Vertreter aus der Ortsgeschichte" (Enzinger) für die neue Stadt hervorgehoben, was historisch begründet und nicht in Vergessenheit geraten sollte (Friedl 1974, S. 90; Enzinger 2003, S. 200).

Vorweg bemerkt: Ich lebe und wohne gern in Frei­lassing; meine Bemerkungen zur Stadt sind wohl­wollend gemeint. Ich schlendere mit offenen Augen durch die Welt, habe Spaß am Foto­grafieren, Recher­chieren und kreativen Schreiben (und habe darin Jahr­zehnte Erfahrung; das hier ist quasi eine Fortsetzung, um das Handwerk nicht zu verlernen ... 😀), und sehe meine Aufgabe nicht darin, die Orts­geschichte umfassend auf­zuarbeiten oder darin gar ein "Experte" zu werden – mitnichten, denn meine Arbeitsweise ist seit jeher, nicht Antworten zu WISSEN, sondern zu FINDEN. Vielmehr möchte ich anderen und vor allem jungen Menschen An­stöße geben und ihr Interesse wecken.

Oben ein morgendlicher Schnappschuss an einem sommer­heißen Augusttag Rupertusstraße Ecke Augustinerstraße. Das Foto macht einen für Freilassing charakteristischen "Mehr­klang" sichtbar, finde ich, vermittelt einige der schönen und herausragenden Merkmale ihrer Identität als Stadt neben Industrie, Handel und Bürgertum:

  • die ☞ Rupertuskirche im Hintergrund und Zentrum der Stadt – hier Symbol für katholische Traditionen wie in Salzburg ("Kreuz"); der heilig geprochene Rupertus (siehe unten) ist Landespatron vom "Rupertiwinkel" und Flachgau (Österreich), die früher politisch und kulturell zusammen gehörten.
  • ein Feld (fast) im Mittelgrund – steht für ☞ Landwirtschaft/Bauernhöfe ("Lehm"), die jahrthundertealten bäuerlichen Wurzeln des Ortes (☞ Weberbauerngasse, ☞ Ludwig-Zeller-Straße), was ich für etwas besonderes in einer Stadt halte. Etwas, worauf man stolz sein kann. Ein bewahrenswertes Erbe, wie ich finde, das Freilassingern in der Moderne ein Stück Heimatgefühl neben anderen herausragenden Merkmalen (wie ihre Industrie- und rund tausendjährige Ortsgeschichte, ☞ frilaz) vermitteln kann.
  • und im Vorder­grund ein typisches Eisenbahn-Utensil der Stadt der Eisenbahn, auch ☞ "Eisenbahner­stadt" genannt ("Eisen", ab 1860, nach 1900 mit Bahnbetriebswerk neben Salzburg) – die Eisenbahner (neben Zoll, Grenzpolizei und anderen) machen einen Teil der Identität der Stadt an der deutsch-österreichischen Grenze (seit 1816) aus.
  • Links im obigen Bild geht's übrigens an einer der ehemaligen ☞ "Eisenbahner­kolonien" (Eisenbahnersiedlung) die Rupertus­straße entlang zum ☞ Eisenbahn­museum "Lokwelt". Und noch etwas: Die "Augustinerstraße" rechts im Foto erinnert ...

  • an die Augustiner – also jetzt nicht an die bayerische Bierbrau­tradition, sondern an die Eremiten vor Ort (1601–1773) im ☞ Alten Pfarrhof ☞ Salzburg­hofen (historische Baujuwelen der Stadt). Dem Orden hatte übrigens auch einst der Reformator Martin Luther angehört, und über die evangelisch-lutherische Kreuz­kirche wird es hier ebenso einen Artikel geben. Das bemerkenswerte lutherische Dreiklang-Gebäude-Ensemble mit eigenem Symbol­wert liegt an der Schul­straße (vgl. ☞ Zentral­schulhaus, ☞ Grund­schule) Ecke ☞ Bräuhaus­straße ("Bier") und der, natürlich – Martin-Luther-Straße!
  • Der andere Straßenname gedenkt ☞ Rupertus, dem in diesem Landstrich allgegen­wärtigen innovativen Missionar und ersten Bischof von ☞ Salzburg. Vordem war er Bischof in Worms. Ein bayerischer Herzog lud ihn 696 ein, in unserem Landstrich zu wirken. Er erhielt wichtige Anteile an der Saline in ☞ Reichenhall, worauf offenbar unter anderem aus diesem Grund sein Bischofssitz den Namen "Salzburg" erhielt. Ohne neben Reichenhall das nicht weniger weit entfernte ☞ Hallein (Österreich) vernachlässigen zu wollen, wo schon die ☞ Kelten Steinsalz abbauten, was dann durch das Meersalz der ☞ Römer überflügelt wurde.
Mit Rupertus beginnt die Geschichtsschreibung in unserer Region, weil es von da an schriftliche Zeugnisse gibt. "Was man schreibt, das bleibt!".*

* Historikerzitat: "Mit der Ankunft des hl. Rupertus in Salzburg im Jahr 696 setzt eine neue Entwicklung von großer geschichtlicher Tragweite ein. Der Historiker kann sich ab diesem Zeitpunkt auf eine Vielzahl schriftlicher Überlieferungen stützen. Der Archäologie fällt für die nachfolgenden Zeitstufen die Aufgabe zu, – z.B. durch Kirchengrabungen oder Stadtkernforschungen – manche Detailprobleme zu lösen, für die keine schriftlichen Quellen vorliegen" (Moosleitner 1996-d, S. 134).

Die Geschichte von ☞ Römern (☞ Matulus) und ☞ Bajuwaren und anderen nachgewiesenen "Ureinwohnern" auf heutigem Ortsgebiet, so aus dem frühen Mittelalter (☞ Engilrammus von frilaz), könnte ebenfalls sinnstiftend im Sinne von "Heimat" für die Identität einer Stadt wie Freilassing sein. (Denn der Ort ist erst in den letzten 150 Jahren durch Migration zu dem geworden, was er heute ist.)

Die wenigen vorhandenen Erdfunde in Freilassing aus römischer, bajuwarischer und frühmittelalterlicher Vergangenheit sind offenbar lediglich Zufallsfunde (soweit ich das momentan verstehe), beispielsweise bei Bau- und Feldarbeiten, und schlummern in Museen.

Nach dem Gut oder Hof von Engilrammus von frilaz (auf ☞ frilaz geht der Ortsname zurück, der "Freigelassene" bedeutet und nichts anderes, hat also mit "freigelassener Weide" nichts zu tun, vgl. Enzinger 2003, S. 196), zweifelsohne eine bedeutsame Persönlichkeit und kein Bauer, ist nicht weiter gesucht worden, weder quellenkritisch noch archäologisch. In seiner voluminösen fabelhaften Stadtchronik von 2003, Seite 41 gibt Kurt Enzinger Engilram im Kontext von frilaz Raum und bricht dann weiterführende Forschungen ab.

Man scheute Kosten und Mühe, die systematische Expertensuche nach wertvollen römischen, bajuwarischen und frühmittelalterlichen Bodenzeugnissen im Ortsgebiet Freilassing von akademischen Historikern und Archäologen allein auf den als offizielle Bodendenkmäler ausgezeichneten Fundorten durchführen zu lassen (#101). Man erkannte offenbar nicht recht die Bedeutung von historischen Wurzeln für die Identität und das Image einer modernen Stadt sowie ihre Anziehungskraft in der Welt – oder übersah diesen Teil der frühen Ortsgeschichte schlichtweg, widmete sich nach 1900 wirtschaftlich dem "Fortschritt" und nach 1945 dem Wiederaufbau und "Wirtschaftswunder" sowie geschichtlich der Eisenbahn, die ein Teilaspekt der Ortsgeschichte Freilassings ist.

Wie zu Recht die Eisenbahngeschichte, die 1860 begann, so gehören ebenso Epochen vor der Stadterhebung 1954, wie der deutsch-französische Krieg 1870/1871 (durch die damaligen Kriegsteilnehmer aus Salzburghofen/Freilassing und die "Friedenseiche" von 1871 in der Fußgängerzone, die daran erinnern soll), der erste Weltkrieg (1914 bis 1918) und zweite Weltkrieg sowie der Nationalsozialismus (1933 bis 1945) zur Ortsgeschichte. Wobei man letzteres zwar dem kollektiven Gedächtnis eines Ortes scheinbar "entschwinden" lassen kann, doch dieser Teil der Ortsgeschichte wird immer unumkehrbar dazu gehören und auf eine befreiende Aufarbeitung warten. Viele Gemeinden und Städte in Bayern, Deutschland und Österreich haben die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus durch sachkundige Forscher erlaubt, gefördert und in einer Veröffentlichung niederschlagen lassen. Das schreibe ich jetzt als Ansporn vor allem für junge Menschen, die hierin eine Aufgabe sehen. Dafür können und sollen meine eher kurz gehaltenen Bemerkungen zu Geschichtsthemen unter "Notizblog" und "Ortsgeschichte" als Ansoß dienen.

Also, ganz schön geschichtsträchtig das Ganze! Worauf diese Website durch diverse Beiträge noch weiter eingehen wird und auf anderes mehr, was mir beim "Stadtschlendern" in Freilassing aufgefallen ist oder aus historischer Sicht bemerkenswert erscheint. Finde ich jedenfalls interessant ... 😎


Einführung. Die über 17.000 Einwohner Freilassings bestehen aus alteingesessenen Bayern und "Zugereisten" wie mich (in West-Berlin groß geworden; habe die längste Zeit, 1972–2008, in Wiesbaden und Selters/Taunus verbracht, also bei den Hessen). Zusammen mit vielen Österreichern, Schwaben und anderen Menschen zahlreicher Nationen, die sich in der Beschaulichkeit der oberbayerischen Kleinstadt ebenso wohlfühlen.

Freilassing und einige seiner Ortsteile wie ☞ Salzburghofen haben seit über tausend Jahren vor allem bäuerliche Wurzeln ("Lehm"). Davon zeugen bislang noch bewirtschaftete Felder mitten in der Stadt (zum Beispiel im ☞ Fürstenweg), die ich sehen kann, wenn ich aus dem Fenster schaue. Und die letzten ☞ intakten Bauernhäuser und Ställe, womit sich hier eine andere Rubrik beschäftigen wird. Das Landwirtschaftliche prägt bis heute, neben anderen Merkmalen, die Identität Freilassings, was – wie ich nur hoffen kann – auch von künftigen Generationen erlebt, geschätzt und nicht leichtfertig verspielt wird.

Neben Bauern, Zoll- und Grenzpolizeitbeamten, Handwerkern und Kaufleuten prägten Eisenbahner die Identität der Gemeinde Salzburghofen und späteren Stadt Freilassing. Seit 1860 "verknoteten" sich an diesem Punkt Eisenbahnlinien ("Eisen"), so mit der Strecke München – Salzburg – Wien, die zur Anbindung der Gemeinde und unserem Nachbarn ☞ Salzburg an den Rest der Welt und zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in beiden Orten führte und von Anfang an den ☞ Fremdenverkehr in der gesamten Region beflügelte. (Ähnlich profitierten andere Ortschaften entlang der Strecke von der Anbindung.)

Ab 1900 gab es für Salzburghofen/Freilassing den entscheidenden wirtschaftlichen Schub durch die ☞ Bahn, als es zur Errichtung von Betriebswerkstätten (Bw) für Dampf- und später für Elektroloks kam, was unserer Gemeinde 1910 unter anderem Wasserleitungen und Hydranten brachte. Das nostalgische ☞ Bahnbetriebswerk mit Rundlokschuppen und andere Bahnbetriebsgebäude blieben beim verheerenden ☞ Bombenangriff der alliierten Piloten am 25. April 1945 auf den Bahnhof und das Heereszeugamt fast unbeschädigt.* So kann man sie noch heute vor Ort im Eisenbahnmuseum ☞ "Lokwelt Freilassing – Deutsches Museum" bewundern (eröffnet 2006).

* Anders erging es dem ☞ Bahnhof in der Grenzstadt Freilassing und seinem ☞ Heereszeugamt, das man nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 statt in Salzburg, wie ursprünglich geplant, nunmehr in Freilassing von Klebing bis Stetten baute – was gravierende Folgen für die Freilassinger haben sollte (Enzinger 2003, S. 249): Etliche Verwüstungen in der Nähe der zerstörten Zielobjekte Bahnhof und Heeerszeugamt am 25. April 1945 und damit Tod für eine Anzahl Soldaten, Zivilisten und Zwangsarbeiter. Ähnlich wie überall in Hitler-Deutschland, wo die Alliierten Vernichtungsangriffe gegen Einrichtungen wie die Heereszeugämter und ihre Bahnhöfe flogen, legten sie ebenso Bahnhöfe entlang der Strecke München – Salzburg, zum Beispiel das Bahnhofsgelände in Rosenheim, in Schutt und Asche.


Fortsetzung folgt ...


Der redaktionelle Teil ist offline weiter in Bearbeitung, die Bildergalerie mit Diashow (Titelbilder) online.


Quellennachweise

Siehe Angaben im laufenden Text, numerierte Quellen sind beim Verfasser hinterlegt.


Quellenverweis für diesen Artikel und empfohlene Zitierweise

Stephan Wrobel: Freilassing – Lehm und Eisen(bahn) und vieles mehr ..., publiziert in Fortsetzungen, in: "Was man schreibt, das bleibt!" (persönlicher Blog), URL: http://www.stephan-wrobel.de/notizblog/freilassing/start-freilassing.htm (abgerufen am ).








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