Kinderbild oben: Josef Maria Schneck, um 1935. Deportiert am 13. März 1943 nach Auschwitz. Ermordet am 29. April 1943 oder am 10. Januar 1944. Ein eindeutiges Todesdatum ist nicht überliefert. © Privatbesitz Elisabeth Schneck-Guttenberger / Fotocollage Stephan Wrobel / Flyer, Gedenken an die Deportation der Münchner Sinti und Roma am 13. März 1943, Landeshauptstadt München, Stadtarchiv München in Kooperation mit NS-Dokumentationszentrum München.

Gedenken/Erinnerungskultur NS-Opfer |
Oberbayern und Salzburg (Euregio, meine Region)

Sinti und Roma (in Arbeit)

Vorläufige/laufende Version 2021 | Stand 21.09. (refresh )

Inhaltsverzeichnis (vorläufig)


Verfolgungsgrund: rassistisch, "Zigeuner", Gruppenzugehörigkeit Sinti und Roma


Einführung
Begegnungen | Quellenlage Südostbayern und Salzburg | Kurzchronik Sinti und Roma Deutschland | Die Gesamtzahl der NS-Opfer | Sinti und Roma in München |

Gedenktage und Gedenkarbeit
Gedenkveranstaltung München, 13. März 2021 | Internationale Gedenktage in Vorbereitung ... | Salzburg: Ein Mahnmal und "Stolpersteine" als Erinnerungszeichen in Vorbereitung ... |

Ghettosierung und "Zigeunerlager"
Einleitung in Vorbereitung ... | In Auschwitz | "Zigeunerlager" Salzburg-Maxglan in Vorbereitung ... |

In Konzentrationslagern
Einleitung in Vorbereitung ... | Ihre Wahrnehmung durch andere Häftlinge |

Kurziographien – Einzelschicksale
Familie Höllenreiter |

Schlußwort
Antisemitismus und Antiziganismus | Saskia Herklotz: Die Orte können noch "erzählen" ... (Zitat) |

ANHANG
Exkurs: Schimpfwort "Zigeuner"? | Quellennachweise | Dein Input hier | Literatur (kleine Auswahl) | Online-Recherche (Auswahl) | Interessenvertretungen Deutschland | Interessenvertretungen Österreich | Link dieser Originalseite / Zitierweise |





Stephan Wrobel

Verfolgungsgrund: rassistisch, "Zigeuner", Gruppenzugehörigkeit Sinti und Roma

Einführung

Begegnungen


Meine Begegnungen vor Jahren mit Vertretern der Volksgruppe der Sinti und Roma sind alle sehr positive Erinnerungen.

Wenn mich zum Beispiel Daniel Strauß (Landesverband deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg) im "Geschichtsarchiv" in Selters/Taunus besuchte (das ich von 1996 bis 2008 im Rahmen der Gedenkarbeit für eine andere NS-Opfergruppe leitete), dann war ich stets angenehm berührt von seinem freundlichen, sympathischen Wesen.

Gern erinnere ich mich auch an eine Begegnung mit Petra Rosenberg (Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg) anläßlich einer Jahresgedenkveranstaltung in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin, an der ich ebenfalls teilnahm.*

* Kurz zuvor hatte ich ein TV-Interview mit ihr mit großem Interesse am Bildschirm verfolgt, und war von ihren Äußerungen über Gedenkkultur angetan, die so völlig mit meiner Arbeit und Konzeption einig gingen. Daher erkannte ich sie sofort als sie vor mir auf dem Gelände der Gedenkstätte inmitten einer Gruppe Menschen im Gespräch vertieft lief, und ich dachte bei mir: Jetzt möchte ich mit ihr einige anerkennende Worte über das Interview wechseln, aber da kommst du nicht ran! Das war offenbar eine Gedankenübertragung. Sie ließ sich im Gehen zurückfallen und die Gruppe weiterlaufen, stand mir plötzlich allein gegenüber, sodass ich sie ansprechen und ein freundliches Gespräch über unsere Arbeit folgen konnte!

Ihre Schwester ist die Schlagersängerin Marianne Rosenberg, doch hielt die Familie deren Sinti-Zugehörigkeit ziemlich geheim, um Diskriminierungen zu vermeiden, was bedauerlicherweise immer wieder auch heute vorkommt, für Sinti und Roma seit Jahrhunderten eine gewohnte Erfahrung.

Das ist übrigens ein Grund für Angehörige der Gruppe, sich möglichst nicht zu outen. Ich bin daher gespannt, ob dieser Beitrag über Sinti oder Roma mit Informationen über Südostbayern (und Salzburg) im Nationalsozialismus irgendwie mit Input unterstützt wird. Oder was ich sonst an Informationen vorfinden werde. Sofern die in der Regel seßhaften Sinti und Roma in Südostbayern zwischen 1933 bis 1945 überhaupt hier noch existieren konnten (was in der Anonymität durchaus der Fall gewesen sein könnte) – man denke an die unten beschriebene damalige, "gründliche" rigorose Polizeiarbeit in Bayern, so dass im März 1943 "nur" noch 141 Sinti und Roma aus München "und Umgebung" (Restbayern?) in die Hölle von Auschwitz deportiert werden konnten – schrecklich genug, unmenschlich, unchristlich, unserem heutigen Grundgesetz (Verfassung) in einer freiheitlichen Demokratie unwürdig. "Die Würde des Menschen ist unantastbar." (Besser stellt sich die Quellenlage über die Roma im Nationalsozialismus in Österreich dar. Siehe den folgenden Kasten.)

Weitere "Begegnungen", die in diesen thematischen Kontext pasen, werden unten erwähnt.

Die Quellenlage für Südostbayern und Salzburg (aktualisiert). Es wäre zum Beispiel aufschlußreich in Erfahrung zu bringen, ob vielleicht einige aus der Volksgruppe, die im März 1943 in München festgenommen und nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden (vgl. unten), ursprünglich aus Südostbayern oder Salzburg kamen (Stadtarchiv München).

Einige der Mitglieder von Familien im "Zigeunerlager" Salzburg-Maxglan, die nach dem "Anschluß" Österreichs 1938 in Zwischenlagern zwangweise festgesetzt wurden, waren nachweislich in Nieder- und Oberbayern geboren bzw. getauft worden, beispielsweise eine Angehörige der Volksgruppe in Petting (Landkreis Traunstein). Auch hier wäre es nützlich herauszufinden, ob nach dem "Anschluß" 1938 Familien unmittelbar aus dem bayerischen Grenzgebiet von der Polizei nach Salzburg in die Zwischenlager verbracht worden sind, eine Zusammenarbeit mit bayerischen Stellen stattgefunden hat. Ebenso, ob einige Roma in Salzburg aus (der damals inzwischen ehemaligen Grenzstadt) Freilassing oder aus anderen bayerischen Orten der Region stammten, was zum Beispiel von einer anderen von den Nationalsozialisten ausgegrenzten und gejagten Bevölkerungsgruppe bekannt ist, den Juden.

Damit will sich dieser Beitrag noch künftig näher beschäftigen, wofür weitere Nachforschungen und Input wünschenswert wären.

Die Quellenlage für Südostbayern, insbesondere für die EUREGIO-Grenzregion Landkreise Berchtesgadener Land (BGL) und Traunstein: Bis auf die oben erwähnten, bislang keine weiteren öffentlichen Informationen über Sinti und Roma in dieser Region.

Für Salzburg Stadt und Land: Die öffentliche Quellenlage stellt sich hier sehr gut dar, was Informationen und die Gedenkarbeit für Roma und Sinti vor Ort betrifft.



Damit wird sich wie erwähnt mein Beitrag hier im Rahmen meines heimatgeschichtlichen "Notizblogs" mit autobiografischen Zügen in Fortsetzungen auch in Zukunft weiter beschäftigen, wie Zeit und Umstände es erlauben, auf durchaus unkonventionelle Weise geschrieben, quellenbasiert (in der Regel öffentliche Quellen, Literaturrecherche, angefragt, Gespräche u.a.) und menschlich, nicht politisch, ein Lernprozeß, lebenslang, der mit der Zeit zu Aktualisierungen meiner Texte führt, ebenso in anderen Rubriken. Vielen Dank für deinen Besuch! (Mit der Funktion "refresh" lässt man den neuesten Stand einer Seite auf dem Bildschirm erscheinen und keine zwischengespeicherte Version beim erneuten Besuch.)

Kurzchronik Sinti und Roma Deutschland


Im 15. Jahrhundert (1407) erstmals urkundlich erwähnte Minderheit, die aus Indien und wahrscheinlich über Griechenland und später über andere Länder in Mitteleuropa eingewandert war, mit der Zeit überwiegend hier seßhaft wurde, doch "oftmals zu Sündenböcken der Mehrheitsgesellschaft abgestempelt, zahlreichen Diskriminierungen und Beschränkungen unterworfen war" (Zitat Königseder).

Die Polizeidirektion München rühmte sich 1910, Bayern sei "in der Bekämpfung der [imaginären] Zigeunerplage an anderen Staaten vorbildlich vorangegangen" – dort war bereits 1899 die "Zigeunerzentrale" mit einem zentralen "Zigeunernachrichtendienst" eingerichtet worden. 1926 folgte das "Gesetz zur Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen", erstmals mit "rassenkundlicher" Diktion. Die Nationalsozialisten erfasten und verfolgten nach der Machtübergabe systematisch die etwa 30.000 Sinti und Roma im Deutschen Reich, wobei sie die Münchener "Zigeunerzentrale" als "Zigeunerpolizeileitstelle" fortführten und 1938 samt Teilen der Belegschaft für Berlin übernahmen. (Nach 1945 als "Landfahrerstelle" bis in die Neuzeit fortgeführt.) Die pseudo-wissenschaftlichen "Rasse-Gutachten", Erfassungen und Klassifizierungen nach "rassenbiologischen Gesichtspunkten" dienten als Grundlage für die Deportationen der Sinti und Roma und zur Vorbereitung der "endgültigen Lösung der Zigeunerfrage".

Sinti und Roma wurden seit 1933 (ähnlich wie die Juden), besonders ab 1936 (wegen der Olympischen Spiele; Milton, S. 121, 123), schrittweise entrechtet, systematisch ausgegrenzt, in "Zigeuner-Gemeinschaftslager" gezwungen und zur Zwangsarbeit in Konzentrationslager eingeliefert. Sie durften ihren Wohnort nicht mehr verlassen und sollten "bis zu ihrem endgültigen Abtransport" in Sammellagern konzentriert werden (1939).

Die polizeilichen mobilen "Einsatzgruppen" ermordeten im Kriegsjahr 1941 Zehntausende Roma in Osteuropa (vgl. Bauer).

Im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurde ab Ende 1942 ein "Zigeunerlager" mit 10.737 Häftlingen aus dem Altreich und 2.343 aus Österreich eingerichtet, wobei die meisten an Unterernährung, Seuchen, Mißhandlungen und einige durch Menschenversuche starben. (Ähnlich erging es dieser und den übrigen Häftlingsgruppen in anderen Konzentrationslagern.) Nachdem die "Arbeitsfähigen" in andere Lager abtransportiert waren, tötete man die restlichen 2.897 Sinti und Roma durch Gas. Insgesamt wurden mindestens 17.000 von ihnen in Auschwitz ermordet. (Am 13. März 1943 waren 141 Sinti und Roma aus München und Umgebung verhaftet und fünf Tage später nach Auschwitz verschleppt worden, siehe unten.)

Die Gesamtzahl der Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns unter den Sinti und Roma wurde einst auf mehr als 500.000 europäische Opfer grob geschätzt und hochgerechnet (inzwischen von Historikern niedriger angesetzt, was den Genozid nicht in Frage stellt). Ernst Eisenbichler stellt 2012 im Bayerischen Rundfunk (BR) fest: "Insgesamt wurden von den 35.000 bis 40.000 erfassten deutschen und österreichischen Sinti und Roma 25.000 ermordet bzw. kamen durch Erschöpfung, Hunger oder Krankheit um. Die geschätzte Zahl der Sinti und Roma, die im nationalsozialistisch besetzten Europa und den mit Hitler-Deutschland verbündeten Staaten ermordet wurden, bewegt sich zwischen 220.000 und 500.000" (#163).

Quellen: Bauer, Königseder, Nerdinger, Wikipedia, Schlickewitz u.a.

Die Bundesregierung erkannte den Völkermord an den Sinti und Roma erst 1982 an. Die Angehörigen der Volksgruppe in Deutschland, in der Regel ausnahmslos mit festem Wohnsitz, die "heute ihren Berufen als Kaufleute, Handwerker, Fabrikarbeiter oder Angestellte nachgehen" (Schneeberger), sind bislang Vorurteilen, Resentiments und Diskriminierungen von seiten der Mehrheitsgesellschaft als "Zigeuner" (veralteter und diskriminierender Begriff) ausgesetzt (#151), s.a. unten (Exkurs).

Im Oktober 2012 wurde in Berlin-Tiergarten (Simsonweg) ein zentrales Mahnmal (Denkmal) feierlich eingeweiht. In Salzburg Stadt und Land erinnern ein Mahnmal und "Stolpersteine" an ihr Verfolgungsleid, worauf unten noch eingegangen werden wird.


Sinti und Roma in München. Anfang des 15. Jahrhunderts kam eine Gruppe fremder dunkelhäutiger Menschen nach München, nicht das erste Mal, doch diesmal wurden sie – sicherlich in der Annahme, Pilger oder Büßer aus "Ägypten" zu sein – auf Kosten der Stadtkasse verköstigt, wie in den Stadtannalen von 1427 zu lesen ist, mit "prott und umb wein, das man durch Gots willen schuf von rats wegen dem armen volk, den zigeynern und irem herczogen aws Klayn Egipten" (Zitat bei Stankiewitz, #152; "klein Ägypten", eine Siedlung im griech. Ort "Gyp(p)e", Herkunftsmythos "Ägypten", wobei viele Bezeichnungen der ethnischen Gruppe als "Ägypter" in anderen Sprachen, zB "gypsies" (engl.), darauf zurückgeführt werden, vgl. unten den Exkurs: Schimpfwort "Zigeuner"?).

Vor 600 Jahren wanderten viele Roma-Gruppen durch Europa und deutsche Gebiete. Dabei sollen sie auf Grund eines Mythos angegeben haben – oder wurden von Obrigkeit und Bevölkerung so wahrgenommen – auf Wanderschaft zu sein als "ägyptische" Pilger oder Büßer als Buße für die Sünden ihrer Vorfahren, die der Heiligen Familie während ihrer Flucht nach Ägypten Hilfe verweigert hätten (Wikipedia; vgl. Kraus). Bei einer anderen Version sollen sie zur Büßung wegen ihrem Abfall vom Christentum eine siebenjährige Wallfahrt vom Papst auferlegt erhalten haben (Zedler-Lexikon, 1731–1754). Sie erhielten am Anfang einen Geleit- und Schutzbrief von Papst Martin V. (1417–1431), ebenso von Kaiser Sigismund (1423), was später nichts mehr galt als sie 1496 und 1498 durch Reichstagsabschiede für vogelfrei erklärt wurden und was ihre umfassende Unterdrückung und Verfolgung über die Jahrhunderte einleitete und ab 1933 schrittweise und schließlich einen schrecklichen und traurigen Höhepunkt durch die Ermordung einer unermeßlich hohen Anzahl von Sinti und Roma im Nationalsozialismus erreichte (vgl. Gesamtzahl).

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten mußten Sinti in München Zwangsarbeit verrichten, in Giesing Straßen pflastern, Unternehmer doppelt Steuern und eine zusätzliche "Asozialen-Steuer" zahlen. Am 8. März 1943 verhaftete die Gestapo in München 141 Sinti und Roma aus der Stadt und Umgebung und deportierte sie fünf Tage später nach Auschwitz-Birkenau (Oświęcim). Eine der Überlebenden, Elisabeth Schneck-Guttenberger, berichtet: "Wie die Tiere haben sie uns in die Güterwaggons gepfercht, dass wir uns kaum rühren konnten [...] Unterwegs hatten wir kaum etwas zu essen und vor allem nichts zu trinken" (#164). Die wenigsten von ihnen überlebten.

Seit 1995 erinnert eine Gedenktafel in München an den Völkermord der Nationalsozialisten an der Volksgruppe der Sinti und Roma (BR Mediathek, 2012; Stankiewitz).

Gedenktage und Gedenkarbeit


Fotocollage Stephan Wrobel / Flyer, Gedenken an die Deportation der Münchner Sinti und Roma am 13. März 1943, Landeshauptstadt München, Stadtarchiv München in Kooperation mit NS-Dokumentationszentrum München Gedenkveranstaltung in München. Am 13. März 2021, zwischen 18 und 21 Uhr, wurden die Namen der vor 78 Jahren (1943, vgl. oben) aus München und Umgebung nach Auschwitz deportierten und dort ermordeten Sinti und Roma an die Fassade des NS-Dokumenationszentrums (www.nsdoku.de) am Max-Mannheimer-Platz in München projiziert, ebenso Fotos von Opfern (Screenshot links). Die bayerische Landeshauptstadt ehrte die Opfer dieses Völkermords mit einem Gedenktag am 13. März zum vierten Mal in Folge; 141 Sinti und Roma waren damals verhaftet und fünf Tage später nach Auschwitz deportiert worden (siehe oben). Projektionen

Währenddessen gehörte ich zu den rund 50 Menschen, die an diesem Samstagabend in Pandemiezeiten die Gedenkveranstaltung via Livestream online verfolgten (www.youtube.com/nsdoku):

Kranzniederlegungen am Denkmal auf dem "Platz der Opfer des Nationalsozialismus" in München (Screenshot).

Seit 1995 befindet sich dort ein Gedenkstein, der an die ermordeten Münchner Sinti und Roma erinnert. Stilles Gedenken an die Deportierten als Videoeinspielung (Screenshot rechts). screenshot

Grußworte aus München von Bürgermeisterin Katrin Habenschaden und Erich Schneeberger vom Landesverband Bayern des Verbandsvereins der Sinti und Roma in Deutschland. screenshot

"Antiziganismus in der Bundesrepublik Deutschland: Kontinuitätslinien und Brüche" lautete das Vortragsthema des Gastredners Dr. Markus End, Zentrum für Antisemitismusforschung – TU Berlin (Screenshot). screenshot

Die Zeugnisse von Diskriminierung von Sinti und Roma wegen ihrer Gruppenzugehörigkeit aus Vergangenheit und Gegenwart erschüttern und stimmen sehr nachdenklich.

Das Anschauen des Videos der digitalen Gedenkveranstaltung mit Kurzvorträgen in Bayern lohnt sich. Die Bemerkungen über das Ausmaß des Genozids an den Sinti und Roma in nüchternen Zahlen können auch als erster Einstieg in diese Thematik dienen.

Der Landtag von Baden-Württemberg wird 2022 Sinti und Roma in den Mittelpunkt am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus stellen; 2021 ist es die christliche Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen als ☞ religiös verfolgte NS-Opfergruppe (www.sinti-roma.com/gedenken-an-die-opfer-des-nationalsozialismus/).

Internationale Gedenktage. in Vorbereitung ...

Salzburg: Ein Mahnmal und "Stolpersteine" als Erinnerungszeichen. in Vorbereitung ...

Ghettosierung und "Zigeunerlager"

Einleitung. in Vorbereitung ...

In Auschwitz.

Wie oben erwähnt, wurde Ende 1942 in Auschwitz ein "Zigeunerlager" eingerichtet. Zeitzeuge Zoni Weisz erinnert sich (Rede vor dem Bundestag, 2011):

Man [hat] Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau im Familienverband im sogenannten „Zigeunerlager“ interniert. Nach dem Aufstand im „Zigeunerlager“ im Mai 1944 wurden fast alle Männer ausgesondert und in andere Konzentrationslager verlegt. Mein Vater, mein Onkel und andere Familienmitglieder wurden nach Mittelbau-Dora abtransportiert, wo sie in der unterirdischen Waffenindustrie unter erbärmlichsten Umständen arbeiten mussten. Sie sind dort ums Leben gekommen: „Vernichtung durch Arbeit“.
Die Bedingungen im „Zigeunerlager“ waren unvorstellbar. Hunger, Kälte und ansteckende Krankheiten forderten Tag für Tag ihren Tribut. Ich muss häufig an all die Mütter, auch meine Mutter, denken, die sich um ihre Kinder sorgten und sich das Essen vom Mund absparten, um ihre Kinder am Leben zu erhalten. Sie mussten in manchen Fällen erleben, dass an ihren Kindern die fürchterlichsten medizinischen Experimente durchgeführt wurden. Heute wissen wir, wozu das führte. Wir können uns nur schwer eine Vorstellung von den unvorstellbaren Leiden machen, die diese Menschen erlitten haben. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden die verbliebenen 2900 Frauen, Kinder und alten Menschen aus dem „Zigeunerlager“ vergast, darunter auch meine Mutter, meine zwei Schwestern und mein Bruder.
Der Völkermord an den Sinti und Roma ist immer noch ein „vergessener Holocaust“ [...]
(Weisz).

Das "Zigeunerlager" Salzburg-Maxglan in Vorbereitung ...

In Konzentrationslagern

Einleitung in Vorbereitung ...

Ihre Wahrnehmung durch andere Häftlinge

Gertrud Pötzinger überlebte das Frauen-KZ Ravensbrück und berichtet, was sie über eine Romni und ihrem Kind auf dem Lagerplatz beobachtet hatte. (Ich kannte Gertrud Pötzinger persönlich sehr gut – wir waren zB im Januar 1998 gemeinsam in London auf der Veranstaltung und Ausstellung "Teaching Tolerance", wo sie als Zeitzeugin im Interview über Verfolgung, Tod und Überleben im Nationalsozialismus sprach; Foto. Sie war unter anderem von Mai bis zur Verhaftung im Dezember 1936 in München im Untergrundwerk der Zeugen Jehovas tätig gewesen. Vgl. NS-Opfergruppe "Verfolgte religiös [in Arbeit]". Leider ist sie schon verstorben.) Ihr Bericht (1942/1943) lautet:

Aber nun konnte ich im Block bleiben, weil das ja eigentlich ein Unfall des Betriebs war. Und weil ich im Block war, war ich verpflichtet, die Essenkübel zu holen. Und dadurch befand ich mich auf der leeren Lagerstraße. Und da begegnete ich dem Arbeitsführer. Und eine Frau von den Zigeunern mit ihrem Mädchen, sie hatte so ein zehnjähriges Kind dabei, die ging nach vorne und er kam von vorne. Und jetzt begegnete sie ihm und ich bemerkte, daß sie Meldung machte und ihre Nummer sagte und den Block. Und jetzt war das Kind dabei. Er fragte sie, wo sie hin muß. Und da hat sie das gesagt. Und da hat er gesagt, das Kind soll zurück gehen auf den Block. Und da sagte die Kleine: „Bitte, lassen Sie mich doch mit meiner Mutter sterben. Bitte lassen Sie mich mit meiner Mutter sterben.“ Und dann kommandierte er noch einmal, sie soll weggehen. Und da kniete die sich nieder vor ihm und bat ihn mit beiden Händen, bittet darum, daß sie mit der Mutter gehen darf. Und da trat er ihr mit dem Stiefel vor die Brust. Und da kullerte sie natürlich ab. Das hat mir so weh getan, daß man einem Kind gegenüber so grausam sein kann. Nun ja, es war halt das Konzentrationslager. Aber die Situation ist mir so geblieben. Ich weiß nicht, was damit wurde. Aber ich hatte ja schon gesagt, daß man in dieser Zeit eine Menge von den Romas vergast hat, d. h. sie kamen zum schwarzen Transport. Und auch einige Asoziale. Also, wenn man nachts die Nummer hörte, dann wußte man: „Oh, die kommen auf Transport.“ (Tonband-Transkritpion, 1998).

Kurziographien – Einzelschicksale

Die Sinti-Familie Höllenreiner zog Anfang der 1930er Jahre von Thüringen nach München, wo bereits Verwandte lebten. Ihre Berufe waren unter anderem Händler oder Fuhrunternehmer, einige brachten es zu Wohlstand. Im Nationalsozialismus erreichten, wie oben beschrieben, Diskriminierung und Gewalt gegen die ethnische Minderheit schrittweise den Höhepunkt.

Peter Höllenreiner (der Fuhrunternehmer überlebte die Verfolgung) erinnert sich: "Nachdem die Nazis die Macht übernommen hatten [...] wurde ich mit der sogenannten 'Asozialen-Steuer' belegt, das heiß dass wir 'rassisch Minderwertigen' doppelte Steuern zahlen mussten." Kontrolliert vom Dienststellenleiter für "Zigeunerfragen" waren Sinti gezwungen, in München-Giesing Straßen zu pflastern, wie ein Foto einer Sonderausstellung im NS-Dokumentationszentrum München 2017 zeigte. Die Münchner Familie Höllenreiner war weit verzweigt, nur wenige überlebten die Verfolgung und den Massenmord durch die Nationalsozialisten (#164).

Zu Hugo Höllenreiter (*1933, † 2015) gibt es einen ausführlichen biographischen Wikipedia-Artikel mit weiterführenden analogen und digitalen Quellen. Ein Interview mit Mano Höllenreiner ist ebenfalls online abrufbar (abgerufen 20.09.2021).

Wird fortgesetzt ...

Schlusswort

Antisemitismus und Antiziganismus bedeuten Vorurteile, gedankenlose oder bewusste Diskriminierungen und Hass gegenüber Juden und gegenüber "Zigeunern" (eine diskriminierende, veraltete Bezeichnung) oder Roma und Sinti, eine Form von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Intoleranz, Lieblosigkeit – und vielleicht von persönlichem Frust im Bewusstsein eigener "Schwäche" oder überschätzter "Stärke" und "Überlegenheit"?

Die alten unbarmherzigen Denkmuster der Intoleranz halten sich teilweise noch heute hartnäckig in einigen Köpfen und Herzen von Menschen, was wie im letzten Jahrhundert auch in unserem 21. Jahrhundert schmerzlich fatale Folgen für alle Betroffenen haben kann! Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Folgen im 20. Jahrhundert mit Blick auf Bayern und nach Möglichkeit und Quellenlage mit Südostbayern sowie mit dem angrenzenden Nachbarland Österreich, insbesondere mit Salzburg, meiner Nachbarstadt.

Gern wiederhole ich das Motto aus der Einführung:

Erinnern für die Zukunft, die freiheitliche Demokratie stärken! Die Würde des Menschen (Frauen, Männer, Kinder) ist unantastbar, nie wieder menschenfeindliche Ideologien und Diktaturen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit!


Saskia Herklotz: Die Orte können noch "erzählen" ... (Zitat)

"Geschichte und Erinnerung müssen fortlaufend für neue Generationen aktualisiert und mit Bedeutung im und für das Hier und Heute versehen werden. Gerade diese beständige Aktualisierung bildet die Grundlage für Sensibilisierung, Wachsamkeit, das Engagement gegen Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und jede Art von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und damit die Ausbildung eines kritischen Geschichtsbewusstseins: Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 war eine grundlegende Antwort auf historisches Unrecht und vor allem die beispiellosen nationalsozialistischen Verbrechen und den Zweiten Weltkrieg – die Durchsetzung der Menschenrechte bleibt jedoch eine Aufgabe über die Gegenwart hinaus. Aus diesem Entstehungskontext ergeben sich die engen Verbindungen und Überschneidungen der historisch-politischen zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung, die insofern immer auch einen Beitrag zur Entstehung einer freiheitlichen und offenen, aber auch wehrhaften Zivilgesellschaft leisten will und soll."

(Siehe vollständiges Zitat und Quelle im Vorwort der Rubrik "Erinnerungskultur".)



Diese und andere redaktionellen Beiträge der Rubrik "Erinnerungskultur/Gedenken" sind in Vorbereitung oder Bearbeitung. Die Beiträge werden in Fortsetzungen geschrieben und jeweils aktualisiert.

ANHANG

Exkurs: Schimpfwort "Zigeuner"?

Sinti und Roma als "Zigeuner" zu bezeichnen, gilt heute als veraltet und diskriminierend, als ein "Schimpfwort" (Stellungnahme, Zentralrat deutscher Sinti und Roma). Einige meinen, im englischen Sprachraum sei "Gypsies" (Egyptians, Ägypter), wie in anderen Sprachen vergleichbare Ausdrücke, "wesentlich weniger umstritten und belastet" als die historische deutsche Bezeichnung "Zigeuner". (Die Vertretungen der Sinti und Roma lehnen jedoch auch die Benennung "Gypsies" ab.)

Die Konnotation des Wortes "Zigeuner" war am Anfang des 15. Jahrhunderts nicht negativ, kein "Schimpfwort", was ihre Nennung in den Annalen der Stadt München (im Stadtarchiv) vom 22. März 1427 deutlich macht. Dort ist im Kontext der freundlichen Bewirtung auf Kosten der Stadtkasse von zigeynern und ihren Herzögen aus Klayn Egipten die Rede (s. Zitat und Quellen oben). Mit "klein Ägypten" ist eine Siedlung im griechischen Ort "Gyp(p)e" gemeint. Das Wort "Zigeuner" hatte damals in München noch keinen negativen Klang, war noch nicht zum "Schimpfwort" mutiert, wie das offenbar seit dem 16. Jahrhundert der Fall ist. (Es sei denn, man würde eine spätere deutsche, irrige Interpretation "Ziehgauner"* zugrunde legen und behaupten, der Eintrag datiere viel später, sei rückbezüglich und sarkastisch gemeint, was jedoch nicht anzunehmen ist.) Gut möglich, daß sich die fremden Besucher in München am 22. März 1427 den Bewohnern der Stadt selbst als zigeyner aus Klayn Egipten vorgestellt hatten.

* In der bedeutendsten deutschsprachigen Enzyklopädie im 18. Jahrhundert, dem Universallexicon von Johann Heinrich Zedler, ist nicht von "Ziehgauner", sondern von "Ziehteinher" als deutsche Herleitung die Rede, wenn es dort und mit Begründung heißt: "Den Nahmen Zigeuner leiten einige aus dem Deutschen her, und soll er so viel heißen, als Ziehteinher, weil dieses Volk keinen gewissen Sitz hatte, ‪sondern von einem Ort zum andern zog, (Zeilers Sendschreib. Epistel 71) welches dadurch noch mehr wuerde bestaetigt werden, wenn es an dem, daß die Alten den Namen Zihegan den Land-Laeufern gegeben, ehe noch die Zigeuner bekannt worden sind. Zeilers Sendschreiben 276 Brief."

Esther Kraus führt im Metzler Lexikon Religion die eigentliche Herkunft des Wortes "Zigeuner" (frz. tsigan) auf die ursprünglich byzantinische Bezeichnung "Athinganoi" (lat. Adsingani) zurück, da die Volksgruppe in Griechenland mit "ihren komplizierten, den indischen ähnelnden Reinheitsgeboten" in Verbindung gebracht wurde (Kraus, Zusammenfassung). Mich wundert nicht, daß sich Angehörige der Volksgruppe selbst als "Zigeuner" bezeichnet haben (vgl. Einleitung bei Milton oder siehe Originalzitat in der folgenden Anmerkung).*

* Der einleitende Hinweis im Aufsatz von Sybil Milton vom United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington D.C. lautet: "Sinti und Roma, damals als Zigeuner bezeichnet und sich selbst so bezeichnend." Diese Aussage machte sie als eine renommierte Holocaust-Historikerin, die sich zusammen mit Henry Friedlander (New York) dafür einsetzte, dass Sinti und Roma zu Recht ihren Platz in der Holocaust-Literatur haben. Darüber korrespondierte Sybil Milton mit Yehuda Bauer (Jerusalem), der nur die Juden als Opfer des "Holocaust" anerkennen lassen wollte (Wikipedia; inzwischen wird der Begriff "Holocaust" längst ebenso auf nichtjüdische NS-Opfer angewandt; vgl. zB Beschreibung zur Holocaust-Bibliothek der Deutschen Nationalbibliothek). Bauer schrieb einen längeren Beitrag über die Volksgruppe der Sinti und Roma und ihren Genozid in Osteuropa in der Enzyklopädie des Holocaust (engl., dt.).

Übrigens gehören Sybil Milton, die traurigerweise im Oktober 2000 an Krebs gestorben ist, und ihr Mann Professor Henry Friedlander († 2012), die beide in jüdische Familien hineingeboren worden waren, ebenfalls zu meinen "Begegnungen", an die ich gern zurückdenke. Wir reisten gemeinsam im Oktober 1997 quer durch Deutschland in einem Eisenbahnabteil nach Wewelsburg, wo im Paderborner Kreismuseum/Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933–1945 eine Tagung zu "vergessenen Opfern" des Holocaust stattfand und woran wir zusammen teilnahmen.*

* Die Nachfolge von Wulff E. Brebeck († 2011) in der Leitung des Kreismuseums Wewelsburg nimmt dort seine langjährige Stellvertreterin Kirsten John-Stucke ein – mit beiden hatte ich arbeitsmäßig zu tun (im ersten Foto beide ganz links stehend, Filmpremiere Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, 1996), mit Frau John-Stucke habe ich die Publikation "12 Jahre – 12 Schicksale" für Nordrhein-Westfalen geschaffen. Hier schließt sich der Kreis thematisch, Kirsten John-Stucke schrieb nämlich "Sinti und Roma im KZ Niederhagen/Wewelsburg (Büren-Wewelsburg)", in: Fings/Opfermann (Hg.): Zigeunerverfolgung im Rheinland und in Westfalen 1933–1945, worauf ich später hier unter ☞ "In Konzentrationslagern" eingehen werde.

Vor Kriegsende verrichtete ein Restkommando aus Häftlingen vom nahegelegene KZ Niederhagen von fast ausschließlich aus religiösen Gründen Verfolgten (☞ NS-Opfergruppe), Zeugen Jehovas oder Bibelforscher, auf der SS-Ordensburg Wewelsburg Zwangsarbeit. SS-Mitglied Bernhard Frank arbeitete eine Zeitlang auf der Wewelsburg, zuletzt SS-Obersturmbannführer und der letzte Kommandant auf Adolf Hitlers Regierungssitz ☞ Obersalzberg (s. u.a. seine autobiographischen Erinnerungen an die dortige SS-Flakabteilung), damit war Frank Kommandant aller SS-Einheiten im Raum Berchtesgaden (vgl. Ortsgeschichte, ☞ 25. April 1945 [geplant]).

Die ursprünglich wertneutrale Verwendung von "Zigeuner" vom Anfang des 15. Jahhunderts ging verloren, ist unwiderbringlich verschüttet, so dass sich der Zentralrat deutscher Sinti und Roma veranlasst sieht, folgende Stellungnahme abzugeben:

Die Bezeichnung „Zigeuner“ hingegen ist untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen, die sich, über Jahrhunderte reproduziert, zu einem geschlossenen und aggressiven Feindbild verdichtet haben, das tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich in Deutschland die (irrige) Auffassung durch, „Zigeuner“ sei abgeleitet von „Ziehgauner“. Auch in einem der ersten Lexikonartikel zum Stichwort „Zigeuner“, 1848 im Brockhaus erschienen, wird dieser Zusammenhang explizit hergestellt. Dort findet man die ganze Palette negativer Stereotypen über unsere Minderheit aufgelistet, bis hin zu der Behauptung, „Zigeuner“ würden Kinder stehlen. Noch in der 2. Auflage des Dudens sinn- und sachverwandter Wörter aus dem Jahr 1986 wird unter dem Stichwort „Zigeuner“ auf die Begriffe „Abschaum“ und „Vagabund“ verwiesen.

Wer dafür plädiert, den Ausdruck „Zigeuner“ als Sammelbezeichnung „wertneutral“ zu verwenden, blendet nicht nur diesen historischen Kontext aus. Er ignoriert auch völlig den heutigen Gebrauch in der Umgangssprache, in der „Zigeuner“ immer noch als Schimpfwort benutzt wird: In den einschlägigen rechtsextremistischen Internetforen gehört dieser Begriff, samt den dazu gehörigen verleumderischen Inhalten, ebenso zum gängigen Vokabular wie in Fußballstadien, wo Fans gegnerische Mannschaften mit „Zigeuner“ oder „Zigeunerpack“ beschimpfen.

Das von bösartigen Vorurteilen einerseits und romantischen Klischees anderseits bestimmte Bild vom „Zigeuner“, das in unzähligen Romanen, Filmen und Operetten vervielfältigt wurde (und immer noch wird), hat sich längst verselbständigt. Als schillernde Projektionsfläche sagt es viel über die Fantasien, Ängste und Wünsche derer aus, die es benutzen. Mit der Lebensrealität der Sinti und Roma hat es schlicht nichts gemein.

Die Eigenbezeichnung Sinti und Roma ist wesentlicher Teil unserer Identität als Minderheit. In unserer pluralistischen Gesellschaft sollte dieses ureigenste Recht auf Selbstbestimmung respektiert werden.



Quellennachweise

Siehe Angaben im laufenden Text. Mit hochgestellten Ziffern numerierte Quellen (zB Gesprächsprotokolle) sind nur beim Verfasser hinterlegt und vertraulich, sofern vom Gesprächspartner gewünscht, oder werden bei Bedarf anonymisiert.

Dein Input hier. Zeitzeugen können mir mit ihrem Absender oder anonym Erinnerungsberichte und ggf. Duplikate (keine Originale) von Fotos und Dokumenten zusenden. Herzlichen Dank!


Literatur – kleine Auswahl
- vollständige Literatur- und Quellenliste "Gedenken/Erinnerungskultur" [gegenwärtig nicht verfügbar] -

Bauer, Yehuda: Zigeuner, in: Gutman, Israel (Haupt-Hg. [dt. Ausgabe: Jäckel, Eberhard u.a.]): Enzyklopädie des Holocaust (Band III, S-Z). [Tel Aviv 1990] Berlin 1993, S. 1630-1634, 1678.

Fings, Karola: Der Völkermord an den Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Lokale Vorstöße, zentrale Initiativen und europäische Dimension, in: Mengersen, Oliver von (Hg.): Sinti und Roma. Eine deutsche Minderheit zwischen Diskriminierung und Emanzipation. Bundeszentrale für Politische Bildung/Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit. Bonn, 2015.

Königseder, Angelika: Sinti und Roma, in: Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß, Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Stuttgart 1997.

Milton, Sybil: Vorstufe zur Vernichtung. Die Zigeunerlager nach 1933. Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jg. 43 (1995), Heft 1.

Nerdinger, Winfried (Hg.): Die Verfolgung der Sinti und Roma in München und Bayern 1933-1945. Ausstellungskatalog und Aufsatzsammlung. NS-Dokumentationszentrum München, Berlin 2016.

Schweitzer, Sabine: "Anständig beschäftigt". Dezentrale nationalsozialistische "Zigeunerlager" 1938–1945 auf dem Gebiet des heutigen Österreich, Kulturverein österreichischer Roma und Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Wien 2021.




Deutsche Nationalbibliothek – Holocaust-Literatur (12.500 Titel)
Anne-Frank-Shoah-Bibliothek, seit 1991 (12.512 Titel), http://d-nb.info/1057986488 (Signatur: AFSB).
URL zum Bestand (abgerufen 10.09.2021).*

* "Die Spezialbibliothek stellt Literatur über die Verfolgung und Vernichtung der Juden Europas im nationalsozialistischen Machtbereich bereit. Darüber hinaus werden auch Publikationen gesammelt, die sich mit der Verfolgung von Menschen aus ethnischen, religiösen, politischen oder anderen Gründen befassen" (dnb).




Online-Recherche Sinti und Roma (Auswahl)

Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Sinti_und_Roma
https://de.wikipedia.org/wiki/Porajmos
https://de.wikipedia.org/wiki/Zigeuner
https://de.wikipedia.org/wiki/Roma
https://de.wikipedia.org/wiki/Sinti
https://de.wikipedia.org/wiki/Antiziganismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichszentrale_zur_Bekämpfung_des_Zigeunerunwesens
https://de.wikipedia.org/wiki/Zentralrat_Deutscher_Sinti_und_Roma
https://de.wikipedia.org/wiki/Flagge_der_Roma
https://de.wikipedia.org/wiki/Roma_in_Österreich (Österreich)
https://en.wikipedia.org/wiki/Romani_people (engl.)
https://en.wikipedia.org/wiki/Flag_of_the_Romani_people (engl.)
https://en.wikipedia.org/wiki/World_Romani_Congress (engl.)

Wiktionary
https://en.wiktionary.org/wiki/Gypsy (engl.)

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
https://www.bpb.de/ (Suchfeld Eingabe: "Sinti und Roma")

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (Heidelberg)
https://dokuzentrum.sintiundroma.de/
Bibliothekskatalog

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
https://www.doew.at/ (Suchfeld Eingabe: "Roma")
Verfolgung der österreichischen Roma und Sinti (Daueraustellung)

Interessenvertretungen Deutschland
https://zentralrat.sintiundroma.de/
https://zentralrat.sintiundroma.de/zentralrat/mitgliedsverbaende/

Interessenvertretungen Österreich
Kulturverein österreichischer Roma / Dokumentations- und Informationszentrum
https://www.kv-roma.at


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Stephan Wrobel: Sinti und Roma. Verfolgungsgrund: rassistisch, Gruppenzugehörigkeit "Zigeuner". NS-Opfergruppen Oberbayern, Südostbayern und Salzburg (Euregio). Online publiziert in: "Gegen das (unser) Vergessen" (persönlicher Blog), URL: https://www.stephan-wrobel.de/erinnerungskultur/sinti-und-roma/start-sinti-und-roma.htm (abgerufen ).

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